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Mobile telephone standard was weakened for secret services

 
 
 
Standard
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Mobiltelefone abhören? GSM macht's leicht!


derStandard.at: Gibt es aktive Bestrebungen den GSM-Standard zu verbessern?


Harald Welte: Wenige. Es gab zwar über die Jahre immer wieder kleinere Verbesserungen an der Spezifikation, das Problem ist, dass man der Kompatibilität wegen viele Lücken drinnen lässt. Es gibt zum Beispiel im GSM-Standard schon seit einigen Jahren eine Spezifikation für die zuvor erwähnte "Mutual Authentication", aber es gibt keine Möglichkeit, dass das Endgerät diese einfordern kann. Die Entscheidung bleibt also beim Netz, was die Sicherheitsverbesserung effektiv zunichte macht. Denn wenn ich eine falsche Basisstation aufstelle, sag ich natürlich, dass ich keine beidseitige Authentifizierung will - und damit gibt sich das Telefon zufrieden, ohne dass der Anwender je davon erfährt.
Es wäre also auch jetzt schon ganz einfach möglich, dass Mobiltelefone zumindest einen gewissen Mindeststandard zur Verschlüsselung verlangen, was ja etwa gerade für Unternehmen durchaus interessant sein sollte, um die Sicherheit der Mitarbeiter zu erhöhen. Aber das geht halt dann wieder nicht, weil die Hersteller der Geräte bzw. der benutzten Chipsets diesen Eingriff nicht erlauben.

derStandard.at: Ist das Aufstellen einer gefälschten Basisstation eigentlich die einzige Möglichkeit für Dritte ein Gespräch mitzuhören, oder gibt es hier noch andere Lücken?


Harald Welte: Gibt es. Ich kann beispielsweise passiv mithören, indem ich einfach einen Funkempfänger in der Nähe aufstelle und dann die Verschlüsselung knacke. Auf halbwegs gängiger PC-Hardware sollte das in so ca. 35 Sekunden erledigt sein. Das ist auch schon lange bekannt.
Mithören kann ich weiters an der Verbindung zwischen der Basisstation und den nächsthöheren Netzwerkelementen. Diese sind ja auch oft über Mikrowellen-Richtfunkstrecken realisiert, spezifiziert war das aber mal für Kabel, also wird hier in aller Regel nicht verschlüsselt. Da hab ich dann nicht nur ein Gespräch sondern gleich hunderte bis tausende Gespräche, die völlig unverschlüsselt quer durch die Stadt gehen. Da ist zwar der technische Anspruch für das Abhören etwas höher, weil diese Mikrowellentechnik mit "Hausmitteln" etwas schwerer beherrschbar ist, aber da gibt es auch Leute, die sich aktuell damit beschäftigen und da kann man sicher sein, dass da in den nächsten Jahren noch etwas kommen wird.
Eine weitere Abhörmöglichkeit sind die "Lawful Interception"-Schnittstellen, über die normalerweise die Polizei bei Gesprächen mitlauschen kann - im jeweiligen rechtlichen Rahmen. Es gibt aber auch belegbare Beweise, dass diese Schnittstellen schon von Dritten zum Abhören benutzt wurden.


derStandard.at: Zum Beispiel?


Harald Welte: Es gab den Fall Vodafone Griechenland im Jahr 2004, wo diese Schnittstellen von der organisierten Kriminalität benutzt wurden, um Spitzenpolitiker abzuhören - über mehrere Monate hinweg.

derStandard.at: Wenn ich das mal so zusammenfasse, gibt es also mittlerweile eine Fülle von Möglichkeiten Telefongespräche abzuhören - und das dazu noch ohne sonderlich großen finanziellen Aufwand.


Harald Welte: Ja. Das mangelnde Wissen ist eigentlich das Hauptproblem, warum so wenig öffentliches Bewusstsein über diese Lücken da ist. Es gibt halt fünf Hersteller auf der Netzwerkseite, fünf Hersteller auf der Telefonseite, die die entsprechenden Implementationen machen, und wenn man jetzt nicht gerade für eine dieser Firmen arbeitet, dann weiß man nichts davon. Und auf Universitäten wird das ja auch nicht gelehrt.
Das ist auch alles nicht neu, es gibt Hersteller die entsprechende Geräte zum Abhören seit vielen Jahren anbieten, das beginnt so bei 200.000 Dollar und geht dann in die Millionen hinauf. Neu ist nur dass wir das jetzt in Open Source machen, um die Leute auf diese Problematik aufmerksam zu machen.
Übrigens find ich das Abhören von Gesprächen gar nicht so das spannende Thema, viel interessanter sind eigentlich all die sensiblen Daten die über GSM-Netze verschickt werden: Das geht von Schlüsselsystemen über Zugkommunikation bis zum Telefonbanking - alles über ein sehr schlecht geschütztes System und damit leicht für Dritte abzufangen.

derStandard.at: Inwiefern ist Open Source hilfreich, um auf diese Probleme aufmerksam zu machen?


Harald Welte: Open Source ist insofern nützlich, als dass die Ergebnisse der angewandten Sicherheitsforschung in diesem Bereich für jedermann nachvollziehbar sind. Es gibt ja Leute, die schon seit Jahren auf diese Probleme hinweisen, aber das will halt keiner hören, da wird dann immer an der realen Umsetzbarkeit gezweifelt. Also arbeiten jetzt Leute wie ich in den letzten zwei, drei Jahren an dem Thema, um klar nachvollziehbar zu zeigen, dass die Probleme nicht nur auf dem Papier existieren, sondern dass man die Lücken auch tatsächlich ausnutzen kann.


derStandard.at: Wir danken für das Gespräch.
(Andreas Proschofsky, derStandard.at, 20.12.10)
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Blog von Harald Welte
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gpl-violations.org
Deepsec
http://derstandard.at/1289609149081/WebStandard-Interview-Mobiltelefone-abhoeren-GSM-machts-leicht